Definition Apotheke im Mittelalter
Begriffsherkunft und Etymologie
Das Wort Apotheke stammt vom griechischen Begriff apothēkē. Er bedeutete ursprünglich Aufbewahrungsort, Vorratsraum, Lager oder Magazin. Auch das lateinische Wort apotheca konnte einen Raum für unterschiedliche Güter wie Wein, Lebensmittel, Bücher oder andere Vorräte bezeichnen.
Im Mittelalter erhielt der Begriff schrittweise eine medizinische Bedeutung. In Klöstern wurden Räume zur Aufbewahrung von Heilkräutern und Arzneistoffen als apotheca bezeichnet. Seit dem 13. Jahrhundert meinte das Wort im deutschsprachigen Raum zunehmend ein Arzneiwarenlager oder eine Arzneimittelhandlung.
Der Apotheker wurde in lateinischen Quellen oft als apothecarius bezeichnet. Seine Aufgabe bestand darin, Arzneistoffe zu beschaffen, zu verwahren, zu verarbeiten und abzugeben. Damit verband der Beruf Kenntnisse über Heilpflanzen, Gewürze, Mineralien, Rezepte, Gewichte und Warenhandel.
Definition und Abgrenzung
Eine mittelalterliche Apotheke war nicht mit einer modernen Apotheke gleichzusetzen. Sie war zugleich Vorratsraum, Werkstatt und Handelsgeschäft. Neben Arzneien führte sie oft Gewürze, Zucker, Duftstoffe, Seifen, Farbstoffe, Wachs und weitere Waren, die in Haushalt, Küche, Kosmetik und Heilkunde verwendet wurden.
Die Grenzen zwischen Arzt, Apotheker, Kräuterhändler, Gewürzhändler und praktischem Heiler waren lange Zeit nicht klar. Ein Arzt konnte Arzneien selbst zubereiten; ein Händler verkaufte Kräuter und Gewürze, die sowohl zum Kochen als auch zur Behandlung von Krankheiten dienten. Im Lauf des Hoch- und Spätmittelalters entwickelten sich die Tätigkeiten stärker auseinander.
| Begriff | Bedeutung | Typische Aufgabe |
|---|---|---|
| Apotheke | Vorratsraum, Werkstatt und Verkaufsort für Heilmittel. | Lagerung, Herstellung und Abgabe von Arzneien. |
| Apotheker | Fachperson für Arzneistoffe und Rezepturen. | Beschaffung, Mischung, Lagerung und Verkauf. |
| Arzt | Gelehrter oder praktischer Behandler von Kranken. | Untersuchung, Diagnose und Verordnung. |
| Bader | Praktischer Heilkundiger mit Badestube. | Wundpflege, Schröpfen, Aderlass und Körperpflege. |
| Kräuterhändler | Händler oder Sammler von Pflanzen und Naturstoffen. | Verkauf und Weitergabe pflanzlicher Heilmittel. |
Ursprünge der Apotheke
Die mittelalterliche Apotheke hatte mehrere Wurzeln. Sie knüpfte an die Medizin der Antike an, an das Wissen von Klöstern, an die Heilkunst der arabisch-islamischen Welt sowie an den Gewürz- und Drogenhandel. Antike Autoren wie Hippokrates, Dioskurides und Galen blieben wichtige Quellen für medizinisches und pharmakologisches Wissen.
Die arabisch-islamische Medizin beeinflusste die europäische Heilkunde stark. In Städten des Vorderen Orients bestanden bereits früh spezialisierte Orte für Arzneistoffe und deren Verarbeitung. Über Handelskontakte, Übersetzungen und die medizinischen Schulen des Mittelmeerraums erreichten Rezepturen, Zutaten und theoretisches Wissen auch Westeuropa.
Im europäischen Frühmittelalter spielte die Hausmedizin eine große Rolle. Familien, Klöster und lokale Heiler verwendeten Heilpflanzen, Salben, Bäder und Umschläge. Mit Stadtwachstum, Fernhandel und medizinischer Spezialisierung entstanden seit dem Hochmittelalter zunehmend ortsfeste Apotheken.
Klöster und Kräutermedizin
Klöster waren im Frühmittelalter wichtige Orte der Krankenpflege und medizinischen Wissensweitergabe. Viele besaßen ein Infirmarium für Kranke, einen Kräutergarten und Vorratsräume für Heilmittel. Mönche und Nonnen pflegten Kranke, bewahrten medizinische Texte auf und bereiteten Salben, Tees oder Auflagen zu.
In Kräutergärten wuchsen beispielsweise Salbei, Fenchel, Minze, Wermut, Ysop, Beifuß und Ringelblume. Die Pflanzen wurden frisch verwendet oder getrocknet. Sie konnten als Aufguss, Kräuterwein, Salbe, Umschlag, Bad oder Pulver Anwendung finden.
Klöster stellten nicht alle benötigten Stoffe selbst her. Wertvolle Gewürze, Harze, Zucker, Mineralien und andere Drogen mussten über Händler beschafft werden. Dadurch waren auch Klosterapotheken Teil regionaler und überregionaler Handelsbeziehungen.
Die Versorgung Kranker galt im christlichen Mittelalter als wichtige Aufgabe. Klostermedizin verband praktische Heilbehandlung, überliefertes Pflanzenwissen, antike Texte und religiöse Fürsorge.
Städtische Apotheken
Mit dem Aufstieg der Städte im 12. und 13. Jahrhundert wuchs der Bedarf an geregelter Gesundheitsversorgung. Öffentliche Apotheken entstanden besonders in Handels- und Residenzstädten. Im deutschsprachigen Raum sind sie seit dem 13. Jahrhundert vereinzelt, seit dem 14. Jahrhundert in wichtigen Städten sicher belegt.
Eine Apotheke lag häufig an einer belebten Straße, am Markt oder in der Nähe von Kirche, Spital und wohlhabenden Wohnvierteln. Diese Lage erleichterte den Verkauf und die Anlieferung von Waren. Da Arzneistoffe und Gewürze wertvoll waren, benötigte ein Apotheker Kapital, sichere Lagerräume und gute Handelskontakte.
Im Spätmittelalter konnten Apotheker zu wohlhabenden Bürgern und Patriziern aufsteigen. Manche übernahmen kommunale Ämter oder gehörten zum Rat. Neben privaten Betrieben gab es in einigen Städten auch Ratsapotheken, deren Betrieb von der Stadt eingerichtet oder beaufsichtigt wurde.
Der Beruf des Apothekers
Apotheker mussten Waren erkennen, Zutaten sachgerecht lagern und Rezepturen zuverlässig herstellen können. Sie arbeiteten mit Mörsern, Waagen, Reibschalen, Sieben, Messern, Kesseln und verschiedenen Gefäßen. Fehler bei Menge, Qualität oder Lagerung konnten die Wirkung eines Mittels verändern oder es unbrauchbar machen.
Die Ausbildung verlief vor allem praktisch. Ein Lehrling arbeitete über mehrere Jahre bei einem erfahrenen Apotheker und lernte Warenkunde, Herstellungstechniken, Maße, Gewichte, Einkauf und Geschäftsführung. Lateinische Begriffe und medizinische Rezepte waren hilfreich, weil viele Fachtexte und Verordnungen auf Latein überliefert wurden.
Apotheker verkauften häufig nicht nur Arzneien. Ihr Sortiment konnte Gewürze, Duftstoffe, Farbstoffe, Zucker, Wachswaren, Seifen, Papier, Kosmetika und Konfekt enthalten. Die Apotheke stand damit an der Schnittstelle von Heilkunde und Warenhandel.
| Tätigkeit | Aufgabe des Apothekers | Beispiel |
|---|---|---|
| Beschaffung | Einkauf von Kräutern, Gewürzen, Harzen und Mineralien. | Bezug von Pfeffer, Zucker oder Weihrauch über Kaufleute. |
| Lagerung | Schutz der Waren vor Feuchtigkeit, Licht und Verderb. | Getrocknete Kräuter in Dosen, Krügen oder Säcken. |
| Herstellung | Mahlen, Mischen, Kochen und Abfüllen von Arzneien. | Salben, Pulver, Pflaster und Sirupe. |
| Abgabe | Verkauf von Mitteln nach Rezept oder direkter Nachfrage. | Ausgabe eines vom Arzt verordneten Kräuterpräparats. |
| Beratung | Hinweise zur Anwendung und Aufbewahrung. | Erklärung zur Einnahme oder äußerlichen Nutzung. |
Arzt und Apotheker
Im Frühmittelalter waren Arzt und Apotheker oft noch nicht getrennt. Gelehrte Ärzte stellten Arzneien selbst her oder ließen sie nach ihren Anweisungen im Haushalt des Kranken zubereiten. Auch in Klöstern waren Behandlung und Arzneibereitung häufig miteinander verbunden.
Seit dem 13. Jahrhundert setzte sich in Teilen Europas das Prinzip einer Trennung beider Berufe durch. Die Gesetzgebung Kaiser Friedrichs II. für das Königreich Sizilien regelte 1241 unter anderem, dass Ärzte nicht selbst am Betrieb einer Apotheke beteiligt sein sollten. Dadurch sollte ein Interessenkonflikt vermieden werden: Der Arzt sollte nicht durch den Verkauf eigener Arzneien an einer besonders teuren oder umfangreichen Behandlung verdienen.
Diese Regelungen galten nicht sofort überall in Europa. Sie wurden aber zu einem wichtigen Vorbild für spätere Apothekenordnungen. Das Ideal lautete zunehmend: Der Arzt beurteilt die Krankheit und verordnet ein Mittel; der Apotheker beschafft die Zutaten und bereitet die Arznei fachgerecht zu.
Die Trennung von Arzt und Apotheker war ein langfristiger Prozess. Sie schuf eine Grundlage für die eigenständige Pharmazie, ersetzte jedoch Hausmedizin, Klostermedizin und praktische Heilkundige nicht unmittelbar.
Arzneimittel und Zutaten
Mittelalterliche Arzneien bestanden häufig aus mehreren Zutaten. Pflanzliche Stoffe waren besonders wichtig, doch nutzte man auch tierische und mineralische Bestandteile. Die Behandlung beruhte auf den medizinischen Vorstellungen der Zeit, vor allem auf der Lehre von den vier Körpersäften.
Nach der Humoralpathologie sollte Gesundheit auf einem Gleichgewicht von Blut, Schleim, gelber Galle und schwarzer Galle beruhen. Nahrungsmittel und Arzneien wurden Eigenschaften wie warm, kalt, trocken oder feucht zugeschrieben. Eine Therapie sollte ein vermutetes Ungleichgewicht ausgleichen.
| Zutatengruppe | Beispiele | Typische Verwendung |
|---|---|---|
| Heilpflanzen | Salbei, Fenchel, Minze, Wermut, Kamille und Ringelblume. | Tees, Aufgüsse, Salben, Umschläge und Bäder. |
| Gewürze | Pfeffer, Zimt, Nelken, Ingwer und Muskat. | Aromatische Mischungen, Sirupe und kräftigende Mittel. |
| Süßungsmittel | Honig, Zucker und Sirup. | Geschmack, Haltbarkeit und Grundlage für Arzneisäfte. |
| Harze und Öle | Weihrauch, Myrrhe, Mastix, Rosenöl und Olivenöl. | Salben, Duftstoffe, Pflaster und Wundmittel. |
| Mineralien | Schwefel, Alaun, Salze und Metallverbindungen. | Pulver, Salben und äußerliche Anwendungen. |
| Tierische Stoffe | Wachs, Fett, Eier, Milch und bestimmte tierische Produkte. | Grundlagen für Salben, Pflaster und Mischungen. |
Herstellung von Arzneien
Viele Arzneien wurden erst nach Bestellung zubereitet. Der Apotheker nahm die Zutaten aus seinem Vorrat, prüfte sie, wog sie ab und verarbeitete sie nach einer Rezeptur. Harte Stoffe wurden gemahlen, Kräuter geschnitten oder zerstampft, Flüssigkeiten angesetzt und Salben über Wärme verrührt.
Zu den verbreiteten Arzneiformen gehörten Pulver, Salben, Pflaster, Pillen, Sirupe, Kräuterweine und Tinkturen. Manche Mittel bestanden aus wenigen Zutaten aus der Region. Andere Rezepturen umfassten zahlreiche, teure und über große Entfernungen gehandelte Stoffe.
- Rezept prüfen: Der Apotheker liest eine Verordnung oder bestimmt das gewünschte Mittel.
- Zutaten auswählen: Kräuter, Gewürze, Harze, Öle oder Mineralien werden bereitgestellt.
- Abwiegen: Die Bestandteile werden mit Waagen und festgelegten Gewichten dosiert.
- Zerkleinern: Zutaten werden geschnitten, gerieben, gemahlen oder im Mörser zerstampft.
- Verarbeiten: Je nach Rezept wird gekocht, eingelegt, verrührt oder mit Honig, Wein, Öl oder Fett vermischt.
- Abfüllen: Das Mittel kommt in Krüge, Dosen, Tücher oder kleine Behälter.
- Abgabe: Der Kunde erhält das Mittel sowie Hinweise zur Anwendung und Lagerung.
Aufbau einer Apotheke
Eine mittelalterliche Apotheke bestand häufig aus Verkaufsraum, Vorratsraum und Arbeitsbereich. Im Verkaufsraum wurden Waren angeboten und abgegeben. Regale, Schränke, Schubladen und Gefäße enthielten Kräuter, Gewürze, Pulver, Salben und weitere Arzneistoffe.
Der Vorratsbereich musste die Waren vor Feuchtigkeit, Licht, Wärme, Schädlingen und Diebstahl schützen. Getrocknete Pflanzen, Harze und Gewürze bewahrte man in Säcken, Dosen, Krügen, Fässern oder Gläsern auf. Besonders kostbare Stoffe wurden sorgfältig gesichert, weil sie einen hohen Handelswert hatten.
Im Arbeitsraum standen Mörser, Waagen, Reibschalen, Messer, Siebe, Kessel und Feuerstellen zur Verfügung. Dort entstanden Arzneien, Salben und Mischungen. Eine klare Trennung zwischen Verkaufsraum und Labor, wie sie moderne Apotheken kennen, war jedoch nicht überall vorhanden.
| Bereich | Typische Ausstattung | Funktion |
|---|---|---|
| Verkaufsraum | Regale, Schränke, Schubladen, Gefäße und Waage. | Abgabe von Arzneien und Verkauf weiterer Waren. |
| Vorratsraum | Säcke, Dosen, Krüge, Fässer und verschließbare Behälter. | Lagerung von Kräutern, Gewürzen, Harzen und Mineralien. |
| Offizin | Arbeitsfläche, Mörser, Waagen und Reibschalen. | Herstellung und Abfüllung von Arzneimitteln. |
| Feuerstelle | Kessel, Pfannen, Tiegel und Heizvorrichtung. | Kochen, Erwärmen, Eindicken und Ansetzen von Mitteln. |
| Keller oder Gewölbe | Kühle Lagerflächen und größere Vorratsbehälter. | Aufbewahrung empfindlicher oder umfangreicher Warenmengen. |
Handel und Fernbeziehungen
Mittelalterliche Apotheken waren auf Handelsnetze angewiesen. Heimische Kräuter konnten aus Gärten, Wäldern und Feldern stammen. Viele begehrte Arzneistoffe, Gewürze und Duftstoffe wurden jedoch aus anderen Regionen eingeführt und über Märkte, Messen, Flüsse und Seewege in die Städte transportiert.
Pfeffer, Zimt, Ingwer, Nelken, Muskat, Weihrauch, Myrrhe, Kampfer, Alaun und Zucker wurden nicht nur in der Küche verwendet. Sie spielten auch in Rezepturen und Arzneimischungen eine Rolle. Aufgrund weiter Transportwege waren viele dieser Waren teuer und für wohlhabendere Kunden leichter zugänglich.
Apotheker standen daher in Verbindung mit Kaufleuten, Gewürzhändlern, Krämern, Klöstern, Spitälern und Ärzten. Sie mussten Herkunft, Qualität, Haltbarkeit und mögliche Verfälschungen ihrer Waren beurteilen können.
| Warengruppe | Beispiele | Beschaffung |
|---|---|---|
| Heimische Kräuter | Salbei, Fenchel, Wermut, Kamille und Minze. | Gärten, Wälder, Felder und regionale Märkte. |
| Gewürze | Pfeffer, Zimt, Ingwer, Nelken und Muskat. | Fernhandel über Kaufleute, Messen und Mittelmeerhäfen. |
| Harze und Duftstoffe | Weihrauch, Myrrhe, Mastix und Kampfer. | Import aus dem Mittelmeerraum und dem Vorderen Orient. |
| Mineralien | Alaun, Schwefel, Salze und Metallverbindungen. | Bergbaugebiete, Händler und spezialisierte Märkte. |
| Süßungsmittel | Honig, Zucker und Sirupe. | Regionale Imkerei sowie überregionaler Handel. |
Regeln, Kontrolle und Qualität
Arzneimittel waren wertvoll und konnten bei falscher Herstellung Schaden verursachen. Daher versuchten Städte und Herrscher, das Apothekenwesen zu regeln. Apotheker mussten teilweise gute Waren führen, korrekte Gewichte verwenden und sich an Preisvorgaben halten.
Die Gesetzgebung Friedrichs II. für Sizilien gilt als ein früher systematischer Versuch, das Verhältnis von Medizin und Pharmazie rechtlich zu ordnen. Sie regelte die Trennung von Arzt und Apotheker, die Beaufsichtigung von Apotheken sowie Fragen der Preisgestaltung. Ihre unmittelbare Geltung war regional begrenzt, ihre Wirkung als Vorbild reichte jedoch weiter.
Städtische Behörden konnten Vorräte, Gewichte und Arbeitsweisen überprüfen. Die Kontrolle sollte die Bevölkerung vor verdorbenen, verfälschten oder überteuerten Waren schützen. Sie stärkte zugleich das Vertrauen in die Apotheke als regulierten städtischen Betrieb.
- Verwendung zuverlässiger Waagen und festgelegter Gewichte
- Sachgerechte Lagerung von Kräutern, Gewürzen und Arzneistoffen
- Verbot verdorbener, verfälschter oder minderwertiger Waren
- Kontrolle von Preisen und Gewinnspannen
- Fachgerechte Zubereitung nach anerkannten Rezepturen
- Teilweise Zulassung, Eid oder Bestallung durch die Stadt
- Überprüfung durch städtische Amtsträger oder medizinische Fachpersonen
Apotheke im Alltag
Der Besuch einer Apotheke war nur eine von mehreren Möglichkeiten, medizinische Hilfe zu suchen. Wohlhabende Menschen konnten eher einen gelehrten Arzt und kostspielige Arzneien bezahlen. Viele andere Menschen nutzten Hausmittel, Kräuterwissen, Bader, Hebammen, Geistliche oder lokale Heiler.
In Apotheken wurden nicht nur Mittel für schwere Krankheiten nachgefragt. Kunden kauften Salben für Wunden, Pflaster, Kräuter gegen Verdauungsbeschwerden, Sirupe gegen Husten, Öle, Seifen und Produkte zur Körperpflege. Die Grenzen zwischen Arznei, Gewürz, Kosmetik und Haushaltsware waren fließend.
In Zeiten von Seuchen und Versorgungskrisen war die Nachfrage nach Heilmitteln besonders groß. Die Wirksamkeit mittelalterlicher Arzneien entsprach jedoch den medizinischen Vorstellungen ihrer Zeit und war sehr unterschiedlich. Manche pflanzlichen Anwendungen konnten nützlich sein, andere Mittel waren wirkungslos oder bei falscher Dosierung gefährlich.
Mittelalterliche Apotheker arbeiteten nach dem Wissen und den Theorien ihrer Zeit. Die Apotheke war ein wichtiger Versorgungsort, doch ihre Arzneien entsprachen nicht den heutigen Anforderungen an Wirksamkeit, Sicherheit und wissenschaftliche Prüfung.
Historische Entwicklung
Frühmittelalter
Im Frühmittelalter lagen Heilkunst und Arzneibereitung häufig bei Klöstern, Familien und lokalen Heilkundigen. Der Begriff Apotheke meinte meist noch einen Lager- oder Vorratsraum. Medizinische Behandlung und Herstellung von Mitteln waren oft nicht voneinander getrennt.
Hochmittelalter
Im 12. und 13. Jahrhundert veränderten Stadtwachstum, Handel und Universitätsmedizin das Gesundheitswesen. Es entstanden spezialisiertere Berufe und ortsfeste Arzneimittelhandlungen. Die Trennung von Arzt und Apotheker wurde zunehmend zu einem rechtlichen und beruflichen Leitbild.
Spätmittelalter
Im 14. und 15. Jahrhundert wurden Apotheken in vielen größeren Städten zu dauerhaften Einrichtungen. Apothekenordnungen, Preisregeln und Kontrollen nahmen zu. Apotheker konnten wirtschaftlich und sozial aufsteigen und gehörten in einigen Städten zur wohlhabenden Bürgerschaft.
Die zunehmende Verfügbarkeit medizinischer Texte, die Ausweitung des Fernhandels und die Spezialisierung von Berufen förderten die Entwicklung weiter. Damit entstanden wesentliche Grundlagen für das Apothekenwesen der frühen Neuzeit.
Bedeutung und Einordnung
Die Apotheke war im Mittelalter ein wichtiger Ort zwischen Heilkunde und Handel. Sie machte Heilmittel verfügbar, verarbeitete heimische und importierte Zutaten und versorgte städtische Haushalte, Klöster, Spitäler und Ärzte.
Ihre Entwicklung verdeutlicht den Wandel von Haus- und Klostermedizin hin zu stärker spezialisierten städtischen Berufen. Apotheker verbanden praktische Kenntnisse über Pflanzen und Arzneistoffe mit kaufmännischen Fähigkeiten, Handelsnetzwerken und handwerklicher Herstellung.
Die mittelalterliche Apotheke war noch keine moderne Institution. Dennoch wurden wichtige Grundlagen gelegt: die Arzneimittelherstellung nach Rezept, die berufliche Trennung von Arzt und Apotheker, städtische Kontrolle von Qualität und Preisen sowie die dauerhafte Etablierung der Apotheke als Teil der städtischen Gesundheitsversorgung.
Häufige Fragen
- Was war eine Apotheke im Mittelalter einfach erklärt?
- Eine Apotheke war ein Ort, an dem Heilkräuter, Gewürze, Mineralien und andere Arzneistoffe gelagert, verarbeitet und verkauft wurden. Sie war Vorratsraum, Werkstatt und Handelsgeschäft zugleich.
- Woher kommt das Wort Apotheke?
- Das Wort stammt vom griechischen apothēkē und bedeutete ursprünglich Lagerraum oder Aufbewahrungsort. Im Mittelalter wurde es zunehmend für einen Ort zur Lagerung und Abgabe von Heilmitteln verwendet.
- Was machte ein Apotheker im Mittelalter?
- Ein Apotheker kaufte Kräuter, Gewürze und weitere Arzneistoffe ein, lagerte sie, stellte daraus Salben, Pulver, Pflaster oder Sirupe her und verkaufte die fertigen Mittel.
- Gab es im Mittelalter Klosterapotheken?
- Ja. Viele Klöster besaßen Kräutergärten, Krankenräume und Vorräte für Heilmittel. Sie waren vor allem im Frühmittelalter bedeutende Orte der Krankenpflege und medizinischen Wissensvermittlung.
- Was ist der Unterschied zwischen Arzt und Apotheker im Mittelalter?
- Der Arzt sollte Krankheiten beurteilen und Behandlungen verordnen. Der Apotheker beschaffte Zutaten und stellte Arzneien her. Die Trennung dieser Aufgaben setzte sich seit dem Hochmittelalter schrittweise durch.
- Welche Waren verkauften mittelalterliche Apotheken?
- Sie verkauften Heilkräuter, Gewürze, Salben, Pulver, Pflaster, Sirupe, Harze und Mineralien. Häufig führten sie außerdem Zucker, Seife, Duftstoffe, Farbstoffe, Wachs und andere Krämerwaren.
- Was war eine Ratsapotheke?
- Eine Ratsapotheke war eine von der Stadt eingerichtete oder beaufsichtigte Apotheke. Der Stadtrat konnte einen Apotheker anstellen, Räume bereitstellen und Preise oder Warenqualität kontrollieren.
Quellen und weiterführende Informationen
- Mittelalter-Lexikon: Apotheke.
- Deutsches Apotheken-Museum: Kurzer Überblick zur Geschichte der Pharmazie.
- Urbs Mediaevalis: Die Apotheke im Mittelalter.
- Friedrich, Christoph: Die Geschichte der Pharmazie. Ein Überblick. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart.
- Siraisi, Nancy G.: Medieval and Early Renaissance Medicine. An Introduction to Knowledge and Practice. University of Chicago Press, Chicago 1990.
- Porter, Roy: The Greatest Benefit to Mankind. A Medical History of Humanity. W. W. Norton, New York 1997.
- Demaitre, Luke: Medieval Medicine. The Art of Healing, from Head to Toe. Praeger, Santa Barbara 2013.

